
Das Wellenmuster im 4-Stunden-Chart für EUR/USD wird weiterhin komplexer. Es gibt nach wie vor keinen Anlass, von einer Aufhebung des im Januar vergangenen Jahres gestarteten Aufwärtstrendsegments (unterer Chart) zu sprechen. Die Trendstruktur hat inzwischen jedoch einen korrektiven Charakter angenommen. Aus langfristiger Sicht wird die Ausbildung der Welle C erwartet, deren Tief voraussichtlich unter dem Tief von Welle A liegen dürfte. Derart starke Rückgänge beim Euro erscheinen derzeit schwer vorstellbar, zumal der Konflikt im Nahen Osten beendet ist. Die Nachfrage nach dem US-Dollar bleibt jedoch hoch, sodass die erwartete Welle C letztlich eine vollständige Struktur ausbilden könnte.
Auf dem kleineren Zeitfenster lässt sich eine klassische fünfwellig-bärische Struktur erkennen. Ist diese Annahme korrekt, befindet sich Welle 3 aktuell in der Entfaltung und weist bereits eine klar definierte Fünf-Wellen-Form auf. Sobald diese Struktur abgeschlossen ist, könnte das Instrument in eine aufwärtsgerichtete Wellenfolge übergehen. Der aktuellen Zählung nach steht die Ausbildung von Welle 5 allerdings noch aus.
Das Währungspaar EUR/USD verlor am Dienstag weitere 40 Basispunkte und ist seit letztem Mittwoch insgesamt um 200 Punkte gefallen. Meiner Ansicht nach ist dies mehr als ausreichend, um das Ergebnis der Federal-Reserve-Sitzung als vollständig eingepreist zu betrachten.
Zur Erinnerung: Vor einer Woche erklärte der neue FOMC-Vorsitzende Kevin Warsh, dass die Bekämpfung der erhöhten Inflation weiterhin oberste Priorität der Notenbank bleibe. Er betonte, dass es der Federal Reserve seit fünf Jahren nicht gelungen sei, die Verbraucherpreisinflation unter Kontrolle zu bringen, und dass es nun an der Zeit sei, dem ein Ende zu setzen. Folgerichtig deutete der Markt diese Aussagen als Signal, dass die Fed nicht nur eine einzelne Runde der Straffung durchführen, sondern die Zinsen so lange anheben könnte, bis die Inflation wieder auf das 2%-Ziel zurückkehrt.
Meines Erachtens wird es keinen vollumfänglichen Straffungszyklus geben, und Kevin Warsh hat vor allem deshalb einen hawkischen Ton angeschlagen, weil er kaum eine Alternative dazu hatte. Hätte Mr. Warsh erklärt, die Fed sei nicht bereit, gegen die Inflation vorzugehen, wäre er umgehend einer Welle der Kritik ausgesetzt gewesen. Stattdessen hat er den Willen der Notenbank demonstriert, die erhöhte Teuerung zu bekämpfen, während seine tatsächlichen Maßnahmen letztlich von seinen Worten abweichen könnten.
Erstens ist der Konflikt im Nahen Osten beigelegt, und derzeit gibt es keine klaren Anzeichen für eine erneute Eskalation. Die Straße von Hormus ist offen, sodass Öl erneut in die Weltmärkte fließen kann, was bereits zu sinkenden Ölpreisen geführt hat. Infolgedessen sollten die Inflationsrisiken nicht weiter zunehmen und mittelfristig sogar nachlassen. Die Federal Reserve könnte ein oder zwei Zinserhöhungen vornehmen, jedoch nur als temporäre Maßnahme, um den aktuellen Inflationsimpuls einzudämmen.
Zweitens gilt Mr. Warsh als Protegé von Donald Trump, der eine straffere Geldpolitik kaum begrüßen dürfte. Entsprechend rechne ich unter Warshs Führung nicht mit einer aggressiven Serie von Zinserhöhungen durch die Federal Reserve. Sollte die Inflation allmählich zurückgehen, dürfte die Fed eher einen abwartenden Kurs einschlagen, um das Wirtschaftswachstum nicht unnötig zu belasten.
Drittens ist es unwahrscheinlich, dass die Federal Reserve vor dem Herbst mit Zinserhöhungen beginnt. Bis dahin kann viel passieren, was die Einschätzung und den Kurs der Notenbank noch maßgeblich beeinflussen könnte.
Allgemeine Schlussfolgerungen
Auf Basis meiner EUR/USD-Analyse komme ich zu dem Ergebnis, dass sich das Instrument weiterhin in einem übergeordneten Aufwärtstrendsegment (unterer Chart) befindet, sich kurzfristig jedoch in einer abwärtsgerichteten Trendphase bewegt. Meiner Meinung nach kann das aktuelle Umfeld Chancen für Long-Positionen bieten, gleichzeitig könnte das Paar im Rahmen von Welle C aber noch deutlich unter die Marke von 1,1400 fallen. Sollte sich dieses Szenario bestätigen, könnte es sinnvoll sein, die Ausbildung von Welle 5 von C abzuwarten, bevor neue Positionen eingegangen werden. Darüber hinaus wirkt der zunehmend positive geopolitische Hintergrund nicht länger als Gegenwind für den US-Dollar.
In der höheren Zeitebene ist weiterhin ein Aufwärtstrendsegment zu erkennen, an das sich die Ausbildung einer korrektiven Wellenstruktur anschließt. In naher Zukunft dürfte sich Welle C in Richtung der Ziele um 1,1352 fortsetzen, was dem 38,2%-Fibonacci-Retracement entspricht. Nach Abschluss der A-B-C-Korrekturstruktur könnte ein neuer langfristiger Aufwärtstrend beginnen.
Wesentliche Grundsätze meiner Analyse
- Wellenstrukturen sollten einfach und klar interpretierbar sein. Komplexe Strukturen sind schwer handelbar und werden häufig revidiert.
- Besteht keine ausreichende Sicherheit hinsichtlich der Marktsituation, ist es besser, dem Markt fernzubleiben.
- Absolute Gewissheit über die Marktrichtung existiert nie. Schützen Sie Ihre Positionen daher stets mit Stop-Loss-Orders.
- Wellenanalyse lässt sich mit anderen Analyseformen und Handelsstrategien kombinieren.

